| Fazit und Ausblick |
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| Schülerinterview mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) |
Erstens: Das Recht auf freie Meinungsäußerung hat in unserer Gesellschaft unbestritten einen sehr hohen Stellenwert. Denn im Formalen waren sich sämtliche Interviewpartner, die wir zu Mixas Verhalten befragten, einig: Ein Kirchenvertreter, so die durchgängige Auffassung, dürfe, wie jeder andere Mensch auch, seine Ansichten ungehindert mitteilen. Zur freien Meinungsäußerung, so fügten insbesondere die befragten Politikerinnen und Politiker hinzu, gehöre es allerdings auch, zu akzeptieren, dass einem deutlich widersprochen werde.
Inhaltlich bemerkenswert war - zweitens - der Pluralismus der Meinungen, der vor allem innerhalb der Kirche(n), namentlich der katholischen, sichtbar wurde. Von den einheitlichen "Brandt-Briefen", die Anfang der 70-er Jahre von der Kanzel herab gegen die damalige Bundesregierung verlesen wurden, sind die Bischöfe heute offenbar weiter entfernt denn je.
Wahrscheinlich eine direkte Folge dieses sichtbar gewordenen Pluralismus ist - drittens - der Umstand, dass der Augsburger Bischof mit seinen Äußerungen keine erkennbare Breitenwirkung an der katholischen Basis erzielte. Zwar äußerten sich einige Funktionäre der katholischen Laien; zu organisierten Solidaritätsbekundungen seitens der Gläubigen kam es jedoch nicht.
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| Schülerinterview mit Lale Akgün MdB (SPD) |
Dieses arbeitsteilige Vorgehen war sehr effektiv. Die Rücktrittsforderungen, die nach Mixas ersten Äußerungen reflexartig erhoben wurden [1], hätten einem Politiker, der sich zu "Gebärmaschinen" und "DDR-Verhältnissen" geäußert hätte, möglicherweise geschadet; an dem katholischen Bischof prallten sie naturgemäß ab. Umgekehrt machte, spätestens nachdem Mixa seine Vorwürfe zu Ostern erneuert hatte, in der Politik plötzlich das (milde) Wort vom "Betreuungsgeld" die Runde. 150 Euro, so erklärte Mitte April Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), solle seiner Ansicht nach ab 2013 der Staat monatlich an all jene zahlen, die ihr Kind nicht in die staatlich finanzierten Kinderkrippen brächten, sondern zu Hause erzögen - ein Vorschlag, den einen Monat später Bayerns Ministerpräsident und Noch-CSU-Chef Edmund Stoiber wiederholte. Erwin Huber, bayerischer Wirtschaftsminister und designierter CSU-Vorsitzender, brachte gar 300 Euro ins Spiel. [2] Auf die politische Tagesordnung kam damit im Grunde genommen das "Erziehungsgehalt für alle Eltern", das Mixa bereits im Februar gefordert hatte. [3]
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| Schülerinterview mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) |
Auch Ministerin von der Leyen stand den CSU-Forderungen nach einem Betreuungsgeld lange ausgesprochen ablehnend gegenüber. Bereits im Mai 2007 erklärte sie, sie sehe die Gefahr, dass ein solches Geld nicht in die frühkindliche Erziehung und Betreuung investiert werde, sondern "in neue Flachbildschirme" für die Eltern. [9]
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| Schülerinterview mit Grünen-Chefin Claudia Roth |
Gleichwohl konnte die Mixa-Lobby im Folgenden zumindest einen Teilerfolg erzielen. Am 31. Oktober 2007 wurde bekannt, die Familienministerin wolle die umstrittene Finanzhilfe für die häusliche Kleinkinder-Erziehung nun doch, wenn auch in unverbindlicher Form, gesetzlich festschreiben. In einem vom Ministerium eingebrachten Entwurf zur Änderung des Sozialgesetzbuchs heißt es dazu, vom 1. August 2013 an solle es "eine monatliche Zahlung (z. B. Betreuungsgeld)" für die Eltern geben, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in einer Einrichtung betreuen lassen wollten oder könnten. [12]
Der dieser Formulierung folgende Zusatz, die "subjektiven und objektiven Leistungsvoraussetzungen" seien "durch ein Bundesgesetz zu regeln" [13], schränkte die Verbindlichkeit der zu zahlenden Leistungen zwar ein, dennoch warfen Kritiker der Familienministerin umgehend vor, sie sei "vor dem Druck der CSU eingeknickt". [14] Wie dem auch sei: Bischof Mixa dürfte mit der überarbeiteten Fassung des Gesetzentwurfs zumindest einen Etappensieg errungen haben.
© St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008